Geschichte

Der Bergbau in Turrach

Turrach liegt auf 1.300 m Seehöhe an der steirisch-kärntnerischen Grenze. Über 250 Jahre lang wurden hier Eisenerz abgebaut und verhüttet.

13. – 17. Jahrhundert

Die Anfänge und der Aufstieg

  • 1256Erste urkundliche Erwähnung des Eisenerzbergbaus in einem Lehensbrief an Ulrich von Liechtenstein, Herr zu Murau. Später geht die Herrschaft an die Grafen von Schwarzenberg über.
  • 1509Erwähnung eines Fundbaus in der „Öden in der Predlitz“.
  • 1622Das Ende des Kupferabbaus auf der Schafalpe wird verzeichnet.
  • 1657Der Tiroler Kupferschmelzer Rupert Aigner aus Wilten entdeckt die Turracher Eisenlager.
  • 1660Gründung des Waldeisenbergwerks, Beginn der Verhüttung und Einrichtung der Bergbruderlade. Domherr Bernhard Breaimus lässt einen der ersten Floßöfen der Steiermark errichten.
  • 1661Johann Adolf Fürst zu Schwarzenberg lässt im Steinbachgraben nach Kupfer suchen – und findet hochwertiges Eisenerz. Der Kaiser erteilt die Schmelzkonzession.
  • 1667Errichtung eines zweiten, technisch verbesserten Floßofens.
18. Jahrhundert

Konsolidierung und Ausbau

  • 1721 – 1727Bau der Turracher Kirche auf Kosten von Fürst Adam Franz zu Schwarzenberg (Einweihung 1726).
  • 1724Die Werks-Bruderlade wird offiziell gegründet.
  • 1748Kaiserin Maria Theresia erlässt eine Neuregelung der Eisenordnung.
  • 1783Neubau der Straße nach Turrach mit der Durchfahrt am „Hohen Steg“ (erst 1978 durch einen Tunnel ersetzt).
  • 1784Ankauf einer Feuerspritze und Einsetzung eines Nachtwächters zur Brandüberwachung.
  • 1785Ein schweres Hochwasser bedroht das gesamte Werk mit dem Ruin.
19. Jahrhundert

Die goldene Ära der Familie Tunner

  • 1823 – 1844Blütezeit unter Peter Tunner d. Ä. – Turrach wird zum führenden Eisenwerk der Steiermark.
  • 1824 – 1826Bau eines modernen Holzkohle-Hochofens (in Betrieb 1826). Er liefert die doppelte Menge Roheisen bei stark verringertem Holzkohleverbrauch. Zeitgleich entstehen Verweseramt, Magazin und ein großer Kohlbarren.
  • 1834Peter Tunner leitet den Straßenausbau nach Ebene Reichenau. Fürst Adam Adolf zu Schwarzenberg gründet die erste Schule.
  • 1837 – 1838Neubau des Verweserhauses; Peter Tunner d. J. errichtet einen Winderhitzer.
  • 1847 / 1848Ausbau der Gießerei zur drittgrößten der Steiermark mit zwei Kupolöfen – gegossen werden u. a. Dachziegel für Murau und Poller für den Hafen in Triest.
  • 1851Bau der Schleusenanlage am Turracher See zur Sicherung der Wasserversorgung für das Gebläse.
  • 1863Peter Tunner d. J. errichtet die erste Bessemerbirne Mitteleuropas – der Höhepunkt der Turracher Eisenindustrie.
1865 – 1933

Maximum, Niedergang und Erbe

  • 1865Produktionsmaximum: 14.000 t Erz, 4.500 t Gusseisen und 1.700 t Bessemerstahl mit drei Konvertern. Am 27. November brennt der Dachstuhl der Bessemerhütte ab.
  • 1872Höchststand: 340 Arbeiter, 1.363 Einwohner und 337 Mitglieder in der Bruderlade.
  • 1877Die Schule wird öffentlich (Bestand bis 1991).
  • 1894Die Murtalbahn wird in Betrieb genommen.
  • 1896Bau einer Materialseilbahn vom Steinbachgraben.
  • 1898Das Bessemer-Verfahren wird eingestellt.
  • 1899Verpachtung der Werke an Schöller & Co (Wien) – die Bessemerhütte bleibt ausgenommen.
  • 1906 – 1909Nach der Rücknahme in Eigenregie ordnet Fürst Adolph Josef die Schließung an. Am 24. Juli 1909 wird die Produktion endgültig eingestellt.
  • 1913Die historische Bessemerbirne wird dem Technischen Museum Wien geschenkt.
  • 1933Nach über 300 Jahren endet die Geschichte der Bergbruderlade.
Hintergründe

Menschen, Technik, Alltag

Der Floßofen

Ab 1660 einer der ersten Floßöfen der Steiermark. Anders als der Stuckofen erlaubte er einen kontinuierlichen Betrieb: Das flüssige Roheisen floss in ein Sandbett, die „Flosse“. 1778 lief der Ofen meist 5 bis 6 Wintermonate und wurde täglich 8- bis 10-mal abgestochen.

Die Bergbruderlade

Von 1660 bis 1933 eine der fortschrittlichsten Sozialeinrichtungen ihrer Zeit: Sie finanzierte die ärztliche Betreuung kranker und verletzter Arbeiter, unterstützte Witwen und Waisen und sicherte die Altersversorgung.

Arbeit im Hochgebirge

Erz wurde im Winter mit Ziehschlitten, im Sommer mit Holzkarren transportiert. Über 200 Menschen arbeiteten im Bergbau, etwa 100 in der Hütte – mit Familien lebten 800 bis 1.000 Personen vom Werk: Knappen, Schmelzer, Röster, Holzknechte, Köhler, Erzzieher und Zimmerer.

Die Familie Tunner

Vater und Sohn machten Turrach berühmt

Peter Tunner d. Ä. brachte das Werk zu großem Ansehen. Er baute einen neuen Hochofen, einen Flammröstofen für Feinerze – die zuvor die Öfen „erstickten“ – und den riesigen Kohlbarren für 5.000 m³ Holzkohle.

Peter Tunner d. J. erlangte weltweiten Ruhm mit der Einführung des Bessemer-Verfahrens 1863 und baute Winderhitzer zur Effizienzsteigerung.

Eng verbunden ist die Familie auch mit der heutigen Montanuniversität Leoben, die Erzherzog Johann 1840 als Steiermärkisch-Ständische Montanlehranstalt in Vordernberg gründete – Peter Tunner d. J. war ihr erster Professor.

Heute

Das kleine Werk konnte mit der Großindustrie nicht mithalten. 1941 folgten noch Tiefbohrungen, auf einen Abbau wurde jedoch verzichtet; 1959 endete der Anthrazitabbau.

Heute leben nur noch wenige Familien im Ort. Die originale Bessemerbirne steht im Technischen Museum Wien – eine Nachbildung im Montanmuseum Turrach.

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